Whisky für (angehende) Connaisseure

Whisky – eine Welt für sich

 

Ok, geben wir‘s zu – in den meisten Büdchen findet ihr im Regal unter dem Namen Whisky meistens die drei großen J’s: Jim Beam, Johnny Walker und Jack Daniel’s. Die sind zwar ok, um sie mit Cola zu mischen, aber sie haben nicht viel gemein mit guten Single Malts, die wir euch heute vorstellen wollen.

Es gibt eine Reihe von Büchern, die sich um das Thema Whisky drehen und die wir sehr empfehlen können – einige Standardwerke für den großen Überblick, die sich auch gut im Wohnzimmerregal machen, findet ihr hier:

 

101 Whiskys: die man probiert haben muss*

Das große Whiskybuch: Destillerien der Welt und ihre Whiskys*

Whiskys der Welt: Destillerien, Marken, Touren, Raritäten*

 

Man kann sich stundenlang einlesen, und wenn ihr das tut, werdet auch ihr im Handumdrehen zum Whisky-Connaisseur (Zum Angeben: Hochgestochenes Wort, bedeutet „Kenner“ im kulinarischen Bereich, aus dem französischen). Aber das hier ist ein Blog und kein Lexikon, und wahrscheinlich steht ihr sowieso gerade in einem Whisky Laden vor dem Regal und sucht einfach nur die passende Flasche. Daher gibt’s für euch so knackig wie möglich einige Fakten und unten geben wir euch Tipps für eure Auswahl.

 

Scotch im Glas

scotch-whisky-whiskyglas

 

Whisky – Die Grundlagen in aller Kürze

Zutaten und Herkunft

  • Grundzutat des Whisky ist Getreide: Verschiedene Distillerien nutzen unterschiedliche Sorten wie Gerste, Roggen, Weizen, Hafer oder Mais. Häufig wird das Getreide ausgesucht, das in der jeweiligen Gegend besonders häufig wächst, und manchmal ist die Getreideart je nach Whisky-Sorte sogar vorgeschrieben. In US-amerikanischem Bourbon muss der Getreideteil zum Beispiel zu mindestens 51% aus Mais bestehen – bei Johnny Walker sind es sogar 80%. Schottischer Single Malt besteht aus gemälzter Gerste, andere Getreidesorten dürfen aber beigemischt werden. Rye Whisky besteht wie der Name schon sagt aus Roggen (Rye engl.: Roggen)
  • Weitere Zutaten sind Hefe und Wasser. Das richtige Wasser spielt eine bedeutende Rolle für Qualität und Geschmack. Distillerien befinden sich daher häufig in unmittelbarer Nähe zu Quellen.
  • Manche Whiskys schmecken rauchig, man spricht auch von „torfig“. Der Rauchgeschmack entsteht, wenn beim üblichen Trocknen der Gerste in einem speziellen Ofen besonders viel Torf als Brennstoff eingesetzt wird.
  • Ein schottischer Single Malt Whisky darf sich nur so nennen, wenn er ausschließlich aus Gerste, Wasser und nur aus einer einzigen Distillerie stammt – selbstverständlich einer schottischen.
  • „Blended“ deutet immer eine Mischung an, also mehr als eine Getreideart oder eine Mischung von Whiskys aus unterschiedlichen Distillerien. Auch amerikanische Bourbons enthalten neben Mais in der Regel weitere Getreidearten. Werden Single Malts zu einem Blend gemischt, spricht man auch von Blended Malt Whisky.
  • Die bekanntesten Whisky-Regionen befinden sich natürlich in Schottland, Irland, den USA, Kanada und – für Kenner – Japan. Das ist richtig, einige japanische Whiskys haben internationale Preise abgeräumt, also werft mal einen Blick drauf.
  • Übrigens: In den USA schreibt man Whisky mit „e“, also Whiskey, in Schottland, Kanada und Japan ohne „e“. Schottischen Whisky nennt man auch Scotch.

Die Lagerung

  • Sehr wichtig für den Geschmack ist die Reifung im Fass: In den USA reift Whisky in Fässern aus amerikanischer Eiche, für Bourbon sind neue Fässer aus angekohltem Holz amerikanischer Eiche sogar vorgeschrieben.
  • In Europa verwendet man für helle Whiskys oft Fässer aus amerikanischer Eiche, in denen bereits amerikanische Whiskys gelagert haben. Diese haben dann bereits „Aroma“ gezogen und gelten damit als höherwertiger als frische Fässer. Wir haben in diesem Zusammenhang schon Schotten über amerikanische Whiskys witzeln gehört, weil sie nie ihren Whisky in frische Holzfässern lagern würden.
  • Für dunkle Whiskys verwendet man Fässer aus Spanien oder Portugal, in denen zuvor Sherry oder auch Portwein gelagert haben. Was vor dem Whisky im Fass gelagert wurde, beeinflusst also sowohl die Farbe als auch den Geschmack des Whiskys.
  • Die Lagerzeit ist ebenfalls ein Qualitätsmerkmal: In der EU ist eine Lagerzeit im Holzfass von mindestens drei Jahren vorgeschrieben, damit man von Whisky sprechen darf. Amerikanischer Straight Bourbon Whisky muss mindestens zwei Jahre lang lagern. Die richtig guten Tropen aus Irland oder Schottland sind aber nicht selten mehr als 10, 20 Jahre oder noch länger im Fass, und damit bei weitem länger als die meisten amerikanischen Sorten.

Zu guter Letzt

  • Gute Whiskys trinkt man ohne Eis (und natürlich ohne Cola, ihr Banausen!), Kenner geben gerne einige Tropfen Wasser dazu. Das soll den Whisky nicht nur milder machen, sondern den Geschmack verfeinern.
  • Vor dem Trinken schließt ihr die Augen und lasst den Duft in die Nase steigen. Kenner tun das mit leicht geöffnetem Mund

 

Keine Zeit? Einfach nur konkrete Whisky-Tipps für jeden Geschmack

 

So, Vorlesung beendet, jetzt wisst ihr, was ihr trinkt, und habt eine Ahnung davon, dass man sich intensiv mit Whisky beschäftigen kann. Die langjährigen Kenner unter euch sehen es uns bitte nach, wenn wir einige Sachen sehr vereinfacht dargestellt haben und man vieles auch deutlich genauer darstellen kann – hier ging es um einen kurzen Überblick für Einsteiger und für Schlaumeier, die mitreden wollen.

Aber welcher Whisky schmeckt denn jetzt wie? Um euch ein wenig bei der Auswahl zu helfen, unterteilen wir einige bekannte schottische Whiskys danach, wie intensiv und wie rauchig sie schmecken. Das ist immer ein wenig Geschmacksache, aber so könnt ihr euch durchprobieren auf dem Weg zu eurem Lieblingswhisky:

leicht mittel intensiv intensiv
rauchig Ardbeg 10 Jahre*

Springbank 10 Jahre*

Ledaig 10 Jahre*

 

Lagavulin 12 Jahre*

Talisker Storm*

Bowmore 12 Jahre*

 

Lagavulin 16 Jahre*

Talisker 25 Jahre*

Laphroaig 18 Jahre*

Highland Park (alle)*

mittel rauchig Glendullan 12 Jahre*

Dalwhinnie 15 Jahre*

Linkwood 12 Jahre*

 

Glenmorangie Original*

Glenmorangie Signet*

Old Pulteney 17 Jahre*

Cardhu 12 / 15 Jahre*

Glenfarclas 21 Jahre*

Macallan 12 Jahre*

Benrinnes 15 Jahre*

Balvenie (alle)*

kaum rauchig Glen Grant 10 Jahre*

Old Puteney 12 Jahre*

Glen Spey 12 Jahre*

Glenkinchie 12 Jahre*

Auchentoshan 12 Jahre*

Bunnahabhain 12 Jahre*

Monkey Shoulder*

Glenfiddich Rich Oak*

Glenlivet 15 / 18 Jahre*

Dalmore 18 Jahre*

Aberlour 15 / 18 Jahre*

Aberlour A’bunadh*

 

Im Vergleich zu den drei J’s muss man hier manchmal etwas tiefer in die Tasche greifen, aber das sind die Tropfen definitiv wert. Es ist eben wie mit Rotwein: Es gibt den im Tetra Pack und den guten Rioja Gran Reserva… Bei uns kann sich so eine gute Flasche Whisky schonmal einige Wochen halten, das ist nichts für einen Quickie. Allerdings gibt es auch in der Preiskategorie unter 50€ definitiv gute Tropen, die wir oben aufführen.

Falls ihr euch gefragt habt, warum die schottischen Whiskys häufig ein „Glen“ im Namen haben. „Glen“ bedeutet Bergtal und ist ein geografisch geschützter Begriff, d.h. ein deutscher Whisky dürfte nicht „Glen Münstereifel“ heißen.

 

Keine Lust euch durchzuprobieren? Hier unser Kandidat für Einsteiger

Für Einsteiger empfehlen wir gern den Balvenie Doublewood 12 Jahre*, der ist nicht zu rauchig (Einsteiger mögen es häufig etwas milder) und trotzdem kräftig im Geschmack. Wir kennen niemanden, der ihn nicht mag. Auch wenn einige Profis auf rauchigere Sorten umsteigen.

Als Geschenk eignet er sich ebenfalls gut, weil es nicht der Whisky ist, den man zwingend in jedem Kiosk-Regal sieht (wir haben ihn aber auch schon in gut sortierten Rewe-Märkten gefunden). Dazu ist er zu guten Kursen zu haben.

 

Solltet ihr ein Whisky Tasting machen wollen, können wir den Kölnern unter euch das Whisky Depot in Rodenkirchen sehr ans Herz legen. Die Eigentümer sind langjährig hart erprobte Schottland-Fans und kennen ihr Metier. Nur zur Vollständigkeit: Wir haben keinerlei Verbindung zu dem Laden, wir finden ihn einfach gut und waren selbst als Gäste da.

Könnt ihr weitere Whiskys empfehlen? Was sind eure Lieblinge? Irgendwelche Special Editions entdeckt? Vielleicht sogar ein guter deutscher Whisky? Immer her damit!

Ach ja: Trinkt bitte wenn dann in Maßen und verantwortungsvoll, wir wollen in unserem Büdchen keine Ausfälle erleben!

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